Herkulesaufgabe Neuordnung gemeistert

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Die Vorsitzenden der im Kreistag vertretenen Fraktionen: (von links) Klaus Laatsch, Walter Gertitschke, Karsten Meininghaus, Axel Hoffmann, Wolfgang Rothstein, Oliver Held und Manuel Huff. Foto: Hendrik Klein

„WIR-Gefühl“ stärken – Noch enger zusammenrücken

Serie „50 Jahre Märkischer Kreis“ (Abschluss)

Von Hendrik Klein

Von den historischen Wurzeln im Mittelalter bis zu den Anforderungen in unseren Tagen: Die Serie „50 Jahre Märkischer Kreis“ hat in elf Folgen viele Facetten der vergangenen fünf Jahrzehnte sowie die Schwierigkeiten und Herausforderungen seit der kommunalen Neuordnung im Jahr 1975 beleuchtet. Die handelnden Personen rückten ebenso noch einmal in den Blickpunkt wie die Probleme beim Zusammenwachsen von 15 ganz unterschiedlichen kreisangehörigen Städte und Gemeinden zu einer neuen Region.

Soviel zum Blick zurück. Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Was haben die Vorsitzenden der im Kreistag vertretenen Fraktionen an Erwartungen, Visionen und Wünsche für den Märkischen Kreis? Zum Abschluss der Serie sollen sie zu Wort kommen. Hier die Stellungnahmen der Fraktionsvorsitzenden.

Karsten Meininghaus, Vorsitzender CDU-Kreistagsfraktion:

„Ein halbes Jahrhundert voller Herausforderungen und gemeinsamer Erfolge liegt hinter uns. Die kommunale Neuordnung 1975 brachte tiefgreifende Veränderungen. Städte und Gemeinden aus den drei Altkreisen, die bislang wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten, wurden zusammengebracht. Diese >>Geburt<< des Märkischen Kreises verlief nicht ohne Schmerzen bzw. notwendige Anpassungsprozesse. Und auch wenn einige Städte und Gemeinden selbst heute kaum noch Berührungspunkte miteinander haben und von einem kreisweiten >>WIR-Gefühl<< nicht zu sprechen ist, so lässt sich feststellen, dass der Märkische Kreis heute eine der stärksten Industrieregionen Deutschlands ist, die durch ihre landschaftliche Schönheit und ihren Erholungswert besticht. Ich wünsche dem Märkischen Kreis für die Zukunft, dass es uns allen gelingt, ein stärkeres >>WIR-Gefühl<< bei den Bürgerinnen und Bürgern im Kreis zu wecken und so ein weiteres Kapitel von Innovation, Zusammenhalt und Lebensqualität aufzuschlagen.“

Wolfgang Rothstein, Vorsitzender SPD-Kreistagsfraktion:

„Die kommunale Neuordnung vor 50 Jahren war sicherlich keine einfache Angelegenheit, hat dem Märkischen Kreis aber insgesamt eine Menge Vorteile gebracht. So übernimmt der Kreis zahlreiche Aufgaben für die Kommunen und damit für die Menschen im Märkischen Kreis. Dazu gehören die Bereiche Mobilität, Berufs- und Förderschulen, Gesundheit und Soziales, Umweltschutz und Müllentsorgung sowie für die acht kleineren Städte und Gemeinden die Kinder- und Jugendhilfe. Neben den sich daraus ergebenen Synergie- und Einspareffekten hat sich auch die Wichtigkeit einer einheitlichen koordinieren Aufgabenwahrnehmung nicht zuletzt während der Corona-Pandemie gezeigt.

Für die Zukunft wünschen wir uns für den Märkischen Kreis die baldige Fertigstellung der Rahmedetalbrücke und damit den Lückenschluss der Lebensader für Südwestfalen. Wichtig ist der Erhalt der Arbeitsplätze, die Weiterentwicklung von der >>Industrieregion im Grünen zur >>grünen Industrieregion sowie die erfolgreiche Weiterentwicklung der Transformation der Arbeit.

Wir wünschen uns den Erhalt der Märkischen Kliniken in öffentlicher Hand und einen zukunftsorientierten ÖPNV. Daher erwarten wir mehr Unterstützung durch Bund und insbesondere dem Land bei der Krankenhausfinanzierung, bei der Verkehrswende sowie eine deutliche Entlastung der Kommunen. Außerdem endlich die vollständige Finanzierung der von Land und Bund auf den Kreis übertragenen Aufgaben.“

Oliver Held, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen:

„Ich bin 1970 geboren. Damit ist der Märkische Kreis von Anbeginn meines bewussten Lebens für mich Normalität. Ich kann mich an nichts anderes erinnern. Als Kommunalpolitiker mit ein paar Jahren Erfahrung auf dem Buckel sage ich: Die kommunale Neugliederung war eine Herkulesaufgabe, die gelungen ist. Für damals fast eine halbe Million Menschen entstand eine neue Einheit. Die Verwaltungen wuchsen erfolgreich zusammen. Es entstanden Synergieeffekte und jede vormalige >>Kreisstadt<< behielt auch Dienststellen der Kreisverwaltung vor Ort.

Ich glaube, dass es insbesondere durch die Bündelung kultureller Aufgaben beim Märkischen Kreis gut gelungen ist, ein gemeinsames Kreisbewusstsein zu entwickeln und wachsen zu lassen. Die Museen in Altena, die Luisenhütte in Balve, die Dechenhöhle und das Märkische Jungendsinfonieorchester sind Leuchttürme, die heute selbstverständlich mit dem Märkischen Kreis verbunden werden. Die Märkische Verkehrsgesellschaft und die Märkischen Kliniken tragen den MK im Namen und sind ein starkes Stück Daseinsfürsorge für alle 15 Städte und Gemeinden. Und an manchen kleinen Dingen kann man eben auch sehen, was Gemeinschaft bedeutet: Das Schullandheim des Märkischen Kreises auf Norderney ist eine Einrichtung, die für alle Schülerinnen und Schüler im MK da ist. Keine Stadt wäre alleine in der Lage, eine solche Einrichtung zu betreiben. Auch daran sieht man, dass es gut ist, dass es den Märkischen Kreis gibt.“

Axel Hoffmann, FDP-Fraktionsvorsitzender:

„Wir haben in den letzten Jahren, zum Teil brutal, lernen müssen, auf welch dünnen Beinen sicher geglaubte Zukunftsbeschreibungen standen und stehen. Ressourcen aller Art werden knapper, teurer und folgen immer schnelleren überregionalen Ereignissen. Für den Märkischen Kreis heißt das für mich:  Wir werden gedanklich enger zusammenrücken und uns dem Spagat zwischen >>vor Ort<< und >>das geht uns alle im MK an<< in größerer Verantwortung stellen müssen.“

Manuel Huff, Fraktionsvorsitzender Die Linke:

„Der Märkische Kreis ist 50. Auch nach einem halben Jahrhundert fragt man sich manchmal, ob die kommunale Neuordnung richtig war? Der nördliche und der südliche Teil des Kreises haben im Alltag oft wenig miteinander zu tun, so dass der Kreis auch heute noch für viele Bürgerinnen und Bürgern nicht gerade identitätsstiftend ist. Das wird auch zusätzlich durch manche politische Entscheidung – wie in der jüngeren Vergangenheit bei der Schließung des Marienhospitals und der angedachten Schließung der Dialyse in Letmathe – befeuert. Es ist naturgemäß schwierig, die Interessen zwischen Meinerzhagen und Menden unter einen Hut zu bringen. Die Kreispolitik benötigt da an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Augenmaß. Ich wünsche dem Märkischen Kreis, dass es gelingt, zukünftig so etwas wie ein >>WIR-Gefühl<< zu erzeugen. Der Kreis wird noch einige Jahrzehnte vor sich haben. Und das Beste herausholen geht nur gemeinsam.“

Walter Gertitschke, Vorsitzender UWG-Fraktion:

„Die kommunale Neuordnung war ein Schritt in Richtung mit weniger Bürokratie und Verwaltung. Städte und Gemeinden haben zumindest durch gute Berufskollegs und Förderschulen profitiert. Zukunftsprojekte wie die Regionale Südwestfalen förderte auch das Denken in Regionen. Dem Kreis wünsche ich, dass gemeinsame und effiziente Lösungen für die Märkischen Kliniken, Märkische Verkehrsgesellschaft, Infrastruktur und Belastungen der kreisangehörenden Städte und Gemeinden gefunden werden. 

Am >>WIR – Gefühl<< ist noch reichlich Luft nach oben. Aus politischer Sicht wünsche ich mir ein Unterhaken der demokratischen Parteien und Wählergruppen. Es sollte immer um die Sache gehen. Stallorder und Fraktionszwang ist unangebracht und fehl am Platz.“

Klaus Laatsch, Vorsitzender AfD-Fraktion

„Der Märkische Kreis ist eine Region mit einer tief verwurzelten Geschichte, geprägt von harter Arbeit, technischem Fortschritt und einem starken Gemeinschaftssinn. Unsere Städte und Gemeinden haben sich aus bescheidenen Anfängen zu einem wirtschaftlichen Zentrum entwickelt, das über die Region hinaus Bedeutung hat. Diese Tradition der Stärke und Anpassungsfähigkeit müssen wir bewahren und gleichzeitig den Blick nach vorne richten. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, Verwaltung und Wirtschaft effizienter zu gestalten und neue Arbeitsplätze zu schaffen, ohne unsere Identität aufzugeben. Gleichzeitig müssen wir den ländlichen Raum stärken, denn die gewachsenen Gemeinden des Märkischen Kreises sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Heimat.

Eine gute Infrastruktur ist der Schlüssel, um den Menschen in unseren Dörfern und kleinen Städten eine Zukunftsperspektive zu bieten. Wir müssen sicherstellen, dass medizinische Versorgung, Bildung und öffentliche Dienstleistungen auch in den ländlichen Gebieten zuverlässig zur Verfügung stehen. Nur wenn wir wirtschaftlichen Fortschritt mit der Stärkung unseres ländlichen Raumes verbinden, bleibt der Märkische Kreis lebenswert und zukunftssicher.“

wave.inc

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