Größtes Bauprojekt des Kreises Olpe schreitet voran – Arbeiten im Zeitplan – Eröffnung Ende 2025
(PKO). Wer vom Olper Bratzkopf Richtung Drolshagen-Berlinghausen fährt, kann es beobachten: Das Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) des Kreises Olpe wächst. Ende des Jahres soll es wie geplant in Betrieb gehen.
Warum wird es gebaut und was haben die Bürgerinnen und Bürger davon?
Das GAZ wird die Zentrale für den Bevölkerungsschutz im Kreis Olpe – zum Üben, Arbeiten und für den Ernstfall. Eine zeitgemäße Investition nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels mit häufigerem Extremwetter.
Teil 1: Feuerwehr
Die Ehrenamtlichen der freiwilligen Feuerwehren erhalten am Gefahrenabwehrzentrum moderne Übungsmöglichkeiten, die es in dieser Form bisher im Kreis Olpe nicht gab. Dazu gehört ein Übungshaus, in dem mit künstlichem Rauch und Hitze realitätsnah Einsätze simuliert werden können. Auch die Atemschutz-Übungsstrecke wird den Einsatzkräften den Puls in die Höhe treiben: enge Durchlässe, Hindernisse, Dunkelheit und Geräusche trainieren die körperliche und psychische Belastbarkeit. Für Einsatzübungen mit Gefahrstoffen wird ein Tank installiert, an dem zum Beispiel der Austritt gefährlicher Substanzen geübt werden kann. Eine eigens angelegte Grube ermöglicht das realistische Üben einer Rettung aus Höhen und Tiefen. Neben diesen Anlagen wird es noch eine Übungshalle geben, die bei Regen, Schnee und Dunkelheit genutzt werden kann, sowie flexibel nutzbare Freiflächen und ein spezieller Raum für Nachbesprechungen in kontaminierter Einsatzkleidung.
„Übungsmöglichkeiten in dieser Vielfalt können nicht in jeder Stadt oder Gemeinde vorgehalten werden. Bisher war es für viele Szenarien nötig, ans Institut der Feuerwehr NRW nach Münster zu fahren“, erläutert Landrat Theo Melcher. „Schon bald stehen den Ehrenamtlichen hochwertige Übungsmöglichkeiten im eigenen Kreis zur Verfügung. Wir hoffen, dass dies auch dazu beiträgt, dieses wichtige Ehrenamt im Kreis Olpe noch attraktiver zu machen.“
Für den Bereich Feuerwehr entstehen am GAZ zudem die Atemschutz- und die Schlauchwerkstatt für das gesamte Kreisgebiet. Dort werden Einsatzgeräte und Schläuche gewartet, gereinigt und repariert. Auch alle Einsätze für die Feuerwehr und den Rettungsdienst werden künftig vom GAZ aus koordiniert.
Teil 2: Leitstelle und Rettungswache
Leitstelle
Die Leitstelle des Kreises Olpe wird als zentraler Bereich in das neue Gefahrenabwehrzentrum einziehen. Sie ist rund um die Uhr besetzt und koordiniert sämtliche Einsätze von Rettungsdienst, Feuerwehr, Krankentransport und Katastrophenschutz im Kreis Olpe. 2024 nahmen die Disponentinnen und Disponenten rund 25.000 Anrufe allein über die Notrufnummer 112 entgegen.
Seit 1996 ist die Leitstelle im Kreishaus in Olpe untergebracht, dort genügen die Räumlichkeiten aber nicht mehr den modernen Anforderungen. Leitstellen gehören zur kritischen Infrastruktur, deshalb gelten für sie hohe bauliche, technische, taktische und organisatorische Vorgaben. Unter anderem muss jede Technik, die zum unterbrechungsfreien Betrieb nötig ist, doppelt vorhanden sein. Dafür und auch weil die Technik sich stetig weiterentwickelt, braucht es Platzreserven.
Zusammen mit den Leitstellen der Kreise Siegen-Wittgenstein und Hochsauerland hat sich die Leitstelle des Kreises Olpe zu einem Verbund zusammengeschlossen: Alle nutzen identische technische Ausstattung und können bei Problemen jederzeit füreinander einspringen und auch einen Totalausfall einer Leitstelle kompensieren. Durch diese partnerschaftliche Lösung können alle drei Kreise darauf verzichten, jeweils eine eigene zweite Leitstelle für Ausfälle vorhalten zu müssen. Für diesen wichtigen Verbund werden am GAZ die dringend nötigen modernen Voraussetzungen geschaffen. Geplant ist, diese Kooperation auch auf den Märkischen Kreis und den Kreis Soest auszuweiten.
Rettungswache
Ein wichtiger Bereich des GAZ wird auch die neue Rettungswache für Olpe und Drolshagen. Bereits seit einigen Jahren steht fest, dass vom bisherigen Standort „In der Trift“ in Olpe nicht schnell genug das gesamte Einsatzgebiet zu erreichen ist. Vom GAZ aus können beide Kommunen in kürzester Zeit angefahren werden. Die Rettungswache wird – wie jede andere – über Fahrzeughalle, Aufenthalts- und Ruheräume, Küche und Lager verfügen und im 24-Stunden-Betrieb laufen.
Die Wache Olpe hat zudem wichtige Zusatzfunktionen: Erstens ist sie anerkannte Lehrrettungswache und braucht deshalb einen Schulungsraum. Zweitens werden dort einige zentrale Einrichtungen für alle Rettungswachen im Kreis Olpe vorgehalten: Dazu gehören das Zentrallager, Fahrzeughallen für Reservefahrzeuge und Einsatzmittel der Schnelleinsatzgruppe sowie die Desinfektionshalle. Dort werden Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht, in denen Patienten mit ansteckenden Erkrankungen transportiert wurden.
Nicht zuletzt arbeiten im Fachdienst 37 des Kreises Olpe (Brand- und Bevölkerungsschutz, Rettungsdienst) auch Kolleginnen und Kollegen im Verwaltungsbereich. Auch diese werden ans GAZ umziehen, damit alle Mitarbeitenden – auch in einem Ernstfall – optimal zusammenarbeiten können.
Teil 3: Bevölkerungsschutz
Auch für den Bevölkerungsschutz werden am GAZ Fahrzeuge und Ausstattung stationiert, u.a. ein zentrales Lager. Darin können zum Beispiel Feldbetten, Sandsäcke, Decken, Verbandmaterial, Hygieneartikel und mehr gelagert werden. Außerdem sind Räume für die Einsatzleitung und den Krisenstab vorgesehen, die bei Großschadenslagen oder Katastrophen bisher im Kreishaus zusammenkamen und die künftig am GAZ arbeiten werden. Die Einsatzleitung koordiniert in einem Katastrophenfall die operativ-taktischen Maßnahmen (z.B. das Entsenden von Einsatzkräften zu Einsatzstellen). Der Krisenstab des Kreises Olpe hingegen koordiniert den verwaltend-organisatorischen Teil (z.B. die Anordnung zur Evakuierung einer Ortschaft).
Fazit
Am neuen Gefahrenabwehrzentrum werden wichtige Strukturen für alle bei einem Ernstfall wichtigen Organisationen an einem Ort gebündelt – vom Rettungsdienst über Feuerwehr und Katastrophenschutz bis zur Verwaltung. Das erleichtert Koordination und Zusammenarbeit und macht das GAZ zu einem modernen Zentrum für die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger.
Infos:
Der Bau des Gefahrenabwehrzentrums wurde vom Kreistag des Kreises Olpe im September 2022 beschlossen. Bauherr sind die Kreiswerke Olpe im Auftrag des Kreises Olpe. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Ziel: Das GAZ erreicht den Effizienzhaus-40-Standard. Heizung und Kühlung funktionieren mit regenerativen Energien mittels Eisspeicher-Heizung, zudem erhält das GAZ eine Photovoltaik-Anlage mit 70 Kilowattpeak, eine Dachbegrünung und eine Zisterne zur Regenwassernutzung. Für Übungszwecke benötigtes Löschwasser wird aufbereitet und wiederverwendet. Die Bauarbeiten sind weiterhin genau im Zeitplan. Der zu Beginn beschlossene Kostenrahmen von 36,1 Mio. Euro könnte im schlechtesten Fall um maximal 5,9 Mio. Euro überschritten werden. Eine solche Steigerung läge im Rahmen der allgemeinen Verteuerung im Baugewerbe in diesem Zeitraum.